So geht Uni

Alles für Studienanfänger

Wird das Studium am Ende leichter?

Wird das Studium am Ende leichter

Wird das Studium am Ende leichter?

Von älteren Studenten hört man als Ersti oft, dass nur die ersten paar Semester schwer sein sollen. Danach würde alles anders (d.h. leichter) werden. Statt „Juhu ich hab bestanden“ und „4 gewinnt“ hagelt es dann wieder Noten mit 2 oder sogar 1 vor dem Komma. Aber was da dran? Steckt hinter der Aussage „Später wird alles besser“ Substanz oder ist das Ganze nur ein Mythos, der von einigen wenigen verbreitet und von vielen geglaubt wird?

Natürlich lässt sich eine solche Aussage nicht zu 100 Prozent beweisen. Zum einen, weil die verschiedenen Studiengänge und Universitäten zu heterogen sind um eine allgemeingültige Aussage zu erlauben. Zum anderen aber auch weil der Begriff „Schwer“ äußerst subjektiv ist. Was dem einen furchtbar schwer fällt, schüttelt der andere locker flockig aus dem Handgelenk. Dennoch gibt es ein paar Aspekte, die man sich anschauen kann um zu verstehen, woher das Gerücht stammt, das Studium würde gegen Ende leichter werden

(Schwere) Grundlagen vs. (Leichte) Wahlfächer?

Die ersten 3 Semester eines Bachelor Studiums bestehen hauptsächlich aus verschiedenen Grundlagenfächer, die die Basis für den jeweiligen Fachbereich schaffen sollen. Die Auswahlmöglichkeiten der Studenten sind dabei üblicherweise stark begrenzt. Man ist vielleicht einigermaßen flexibel was die Reihenfolge angeht, kann also beispielsweise manche Fächer nach hinten verschieben, die reine Auswahl der Fächer ist aber fest. Macht natürlich irgendwie auch Sinn, immerhin gibt es in jedem Studium Fächer, die so essentiell sind, dass praktisch alles andere auf ihnen aufbaut. Klar ist aber auch, bei Fächern die einem „aufgezwungen“ werden, ist die Motivation oftmals nicht ganz so groß, wie bei Fächern, die man aus freien Stücken wählt.

In der zweiten Hälfte des Studiums hat man dann typischerweise einen größeren Gestaltungsspielraum. Man kann sich eigene Wahlfächer aussuchen oder auch einen kompletten Schwerpunkt. Teilweise gibt es auch die Möglichkeit Kurse aus dem gesamten Angebot der Universität zu belegen, sodass man über den Tellerrand der eigenen Fakultät hinausblicken kann. Zwar kann es hier vorkommen, dass man in beliebte Wahlfächer nur schwer reinkommt, im Großen und Ganzen hat aber hier jeder die Möglichkeit den eigenen Interessen in höherem Maße nachzugehen, als das noch im ersten oder zweiten Semester der Fall war.

Wer sich also aus freien Stücken mit einem Fach beschäftigt, das er selbst gewählt hat, der tut dies vermutlich mit mehr Motivation und Begeisterung, ergo fällt einem das Lernen auch leichter. Hinzu kommt auch noch die Tatsache, dass die Grundlagenfächer oft nicht den Erwartungen der Erstis entsprechen. Wer ein Informatik Studium aufnimmt, träumt vielleicht davon Spiele oder eigene Apps zu programmieren. Wenn man dann im ersten Semester da sitzt und reguläre Grammatiken für Sprachen angeben soll (Theoretische Informatik: das faszinierende Inzestkind der Vereinigung von Mathe und Deutsch), dann sinkt der Spaßfaktor schon ein wenig ab.

Generell bedeutet „Grundlagenfach“ vor allem in den technischen Fächern meistens nicht anderes als Mathe. In verschiedenen Variationen. Bis man dann wirklich mal zu den coolen Sachen kommt, die der eigentliche Grund waren warum man sich für das Studium entschieden hat, dauert es oft bis in die zweite Hälfte des Studiums hinein. Nach der ganzen Grundlagen Quälerei kommen einem dann einerseits normale Fächer mit einem Mal wieder leichter vor, zum einen fällt einem natürlich auch vieles leichter wenn man die Grundlagen gut beherrscht. So ätzend die Grundlagen manchmal also auch sein können: hier kann man den Grundstein dafür legen, dass man es später leichter hat.

Gewöhnungseffekt

Der Schritt von der Schule zu Uni ist groß. Oftmals größer als man sich das im Voraus vorstellen mag. Zum einen steigt die Stoffmenge deutlich an, zum anderen auch das Niveau. Auch die Art wie man lernen muss verändert sich. Während man in der Schule noch 4 Klausuren pro Hauptfach geschrieben hat, hat man an der Uni üblicherweise nur eine einzige Klausur am Ende des Semesters. Dort heißt es dann eben Top oder Flop. Und das eben nicht nur bei einer Klausur, sondern gleich bei 4-6, verteilt auf eine 2-4-wöchige Prüfungsphase. Der Lernaufwand liegt also nochmals deutlich über den Abiturprüfungen.

Hört sich jetzt erstmal nicht besonders einladend an. Und in der Tat haben mit dieser Umstellung auch viele zu knabbern. Aber das Gute ist: man gewöhnt sich auch daran. Der eine vielleicht etwas schneller als der andere aber über kurz oder lang bekommt eigentlich jeder raus, wie man sich an die neuen Verhältnisse anzupassen hat. Im Laufe der Zeit lernt man dann:

  • Wie man mit neuen Klausurarten zurechtkommt. Vor allem der Typ „Open Book Klausur“ stellt sich oft als tückisch heraus.
  • Was man lernen muss. Nicht alles was im Skript steht, kann während der Klausur auch gefragt werden. Mit der Zeit bekommt man ein Gespür dafür, woraus es ankommt und was man getrost überlesen kann.
  • Wann man anfangen muss. Zwar hat jeder Student den guten Vorsatz im nächsten Semester noch früher anzufangen, im Verlauf des Studiums kann man den Aufwand für eine bestimmte Klausur aber immer besser einschätzen.
  • Wie man lernt. Neue Inhalte erfordern neue Lernmaßnahmen. Der eine stellt vielleicht fest, dass er sehr von einer Lerngruppe profitiert, ein anderer schaut sich lieber YouTube Tutorials zu den Kernpunkten der Vorlesung an.
  • Wie der Prof tickt. Im ersten Semester kursieren typischerweise noch viele Gerüchte unter den Studenten. Vom einen Prof heißt es, er wäre in harter Hund, vom anderen, dass man bei ihm praktisch nicht durchfallen könne. Mit der Zeit merkt man dann schon wie die verschiedenen Professoren so drauf sind und vor allem auch wie sie ihre Klausuren stellen.
  • Wie man sich gut vorbereitet. Manch einer schwört auf die von der älteren Schwester geerbte Zusammenfassung des Skripts, ein anderer rechnet bis zum Erbrechen Übungsaufgaben. Mit der Zeit merkt man dann schon welche Vorgehensweise zu welchen Klausuren passt.

Wer also im ersten Semester kein Land gesehen und etliche Prüfungen verhauen hat, braucht nicht gleich ans Abbrechen zu denken. Mit der Zeit renkt sich einiges ein. Und wer nicht daran glaubt der kann auch auf professionelle Hilfe hoffen: an den meisten Unis gibt es Angebote, die einen beim richtigen Lernen unterstützen. Das kann in Form von Kursen oder auch in Einzelgesprächen geschehen.

Ausgesiebt

Im ersten Semester machen oft Horrormeldungen die Runde, dass in bestimmten Fächern ausgesiebt wird oder dass die Professoren gar Quoten hätten wie viele Studenten eine Klausur höchstens bestehen dürfen. Das meiste davon kann man klar ins Reich der Fabeln verweisen. Ja, vereinzelt mag es Professoren geben die sich etwas auf eine Durchfallquote von über 60% einbilden, die vielleicht sogar der Meinung sind dadurch die Flagge der deutschen Hochschulbildung hochzuhalten. Gewissermaßen selbsternannte Kämpfer gegen die Noteninflation.

In den allermeisten Fällen ist es aber so, dass die Professoren den Studenten nichts Böses wollen. Die hohen Durchfallquoten in den ersten Semestern kommen eher dadurch zustande, dass sich viele noch nicht auf das System Uni eingestellt haben. War es in der Schule noch ausreichend zwei Tage vorher zu lernen und ein bisschen im Unterricht mitzuarbeiten, so wird man mit dieser Einstellung an der Uni nicht weit kommen. Interessanterweise fällt diese Umstellung vor allem denjenigen schwer, die in der Schule eher zu den besseren Schülern zählten. Wer ohne viel Aufwand immer Einser oder Zweier hatte, für den wird die Umstellung natürlich schwieriger, wie für jemanden der immer schon lernen musste.

Dazu kommen dann auch noch Leute, für die das Studium eher eine Not- oder Überganglösung ist. Wer etwa in seinen eigentlichen Wunschstudiengang nicht reingekommen ist, studiert vielleicht erst einmal etwas anderes um dann zu einem späteren Zeitpunkt zu wechseln. Ähnlich sieht es bei denjenigen aus, die überhaupt noch nicht wirklich wissen was sie machen wollen, aber gehört haben, dass das Studium XY gute Perspektiven bietet. Dann schreibt man sich eben mal ein, schaut sich alles an und wenn es nicht passt macht man eben etwas anderes.

Logisch, dass gerade in den letzten beiden Fällen die Motivation nicht übermäßig groß ausfällt. Entsprechend viele fallen dann gerade in den Grundlagenfächern auch durch die Prüfung. Ganz ohne verordnetes Aussieben von Seiten der Hochschulleitung. Auch wenn man selbst eine gute Note in der entsprechenden Prüfung erzielt hat, entsteht so schnell der Eindruck die Prüfung wäre schwer gewesen. Immerhin hat man mit großer Wahrscheinlichkeit Kommilitonen im Freundeskreis die durchgefallen sind. Und natürlich verkünden diese auch meistens lautstark wie „schwer“ und „unfair“ die entsprechende Prüfung doch gewesen sei.

So verfestigt sich unter Erstis schnell der Eindruck bestimmte Prüfungen wären nur mit viel Glück oder einem IQ jenseits der 140 zu überstehen. Obwohl in Wahrheit eher zu viele Studenten die betreffende Prüfung mitschreiben, die kein tieferes Interesse am jeweiligen Fach haben. In den späteren Semestern normalisiert sich das Ganze dann wieder.

Viele, für die das Studium nur eine Verlegenheitslösung war, haben wieder abgebrochen, andere haben vielleicht Gefallen daran gefunden. So oder so, es blieben eben eher diejenigen übrig, die sich für das Studium auch begeistern und zumindest eine gewisse Grundmotivation mitbringen. Entsprechend fallen dann auch wieder die Durchfallquoten geringer aus (auch wenn es natürlich immer mal vorkommen kann eine Prüfung zu verhauen, das ist keine Schande). Da nun auch wieder im Freundeskreis die meisten ihre Prüfung bestehen, verfestigt sich auch hier der Eindruck, dass die Prüfung einfacher gewesen sein müsse als die Prüfungen im ersten Semester.

Bachelorarbeit

Die Bachelorarbeit ist nicht per se einfach. Gerade in technischen Studiengängen ist sie nicht selten die erste wissenschaftliche Arbeit, die man im Bachelor verfasst. Das kann also kurz vor Ende durchaus noch stressig werden. Nichtsdestotrotz resultiert die Bachelorarbeit dennoch recht häufig in einer recht guten Note.

Zum einen liegt das natürlich daran, dass man sich sein Thema selbst aussuchen kann und somit auch stärker motiviert ist. Zum anderen sind aber auch Professoren keine Unmenschen, wer nicht gerade seitenweise aus Wikipedia plagiiert, der wird schon irgendwie bestehen. Wer sich darüber hinaus auch noch Mühe mit seinem Thema gibt, für den stehen die Chancen nicht schlecht, dass am Ende eine 1 vor dem Komma steht. Natürlich spielt hier auch der bewertende Prof eine große Rolle. Aber gegen Ende des Studiums weiß man auch welcher Prof hinsichtlich der Noten eher großzügig ist und welcher hohe Erwartungen hat.

Da die Bachelorarbeit nochmals deutlich stärker gewichtet ist als eine normale Klausur, kann man hier gegen Ende seines Studiums also durchaus noch etwas rausreißen. Rückblickend ist auch das oft einer der Gründe warum einem das Studium gegen Ende leichter vorkommt. Die knapp bestandenen Grundlagenfächer treten in den Hintergrund, die glorreiche Bachelorarbeit überstrahlt alles. Je nach Prüfungsordnung ist es sogar so, dass die Fächer aus den ersten Semestern schwächer gewichtet sind, schlechte Noten also geringere Auswirkungen haben.

Wer also das erste und/oder zweite Semester in den Sand setzt muss sich keine Sorgen machen: durch gute Noten in der zweiten Hälfte des Studiums und eine gute Bachelorarbeit kann man vieles wieder gut machen.

Masteraspekt

Naturgemäß ist der Kontakt zwischen Studenten und Professoren nicht mehr so eng wie zwischen Schülern und Lehrern. Das liegt schon alleine an der Anzahl der Studenten und der Größe eines üblichen Hörsaals.

Aber wie schon erwähnt: auch Professoren sind keine Unmenschen. Und auch ihnen ist klar, dass für die meisten Masterstudiengänge ein Schnitt von mindestens 2,5 erforderlich ist. Zugegeben, ich kann es nicht beweisen, aber ich habe schon das Gefühl, dass dieser Aspekt gerade für die Professoren in den letzten beiden Semestern eine Rolle spielt. Da wird nicht mehr um jeden Preis ein Fehler gesucht, sondern man lässt auch mal etwas durchgehen, immerhin will man ja auch niemanden die Zukunft verbauen.

Natürlich soll das keine Einladung sein sich zurückzulehnen und nichts mehr zu machen, aus 10 von 100 Punkten kann auch der gnädigste Prof kein Bestanden mehr machen. Aber man hat das Gefühl, dass alles ein wenig leichter läuft, dass man nicht mehr um jede Note kämpfen muss sondern auch mal freudige Überraschungen erlebt.

Übrigens: an manchen Universitäten ist es auch so, dass die „eigenen“ Studenten bei der Vergabe von Masterplätzen einen gewissen Bonus erhalten, etwa in Form einer leicht besseren Note oder indem die Grenze von 2,5 leicht nach hinten verschoben wird. Wer also nicht sicher ist ob er die 2,5 erreicht, sollte sich im Vorfeld informieren ob die eigene Universität auf diese Weise verfährt.

Summa summarum: einen eindeutigen Beweis, dass das Studium im Verlauf leichter wird kann es natürlich nicht geben. Es spricht allerdings vieles dafür, dass es den meisten Studenten leichter fällt. Und das ist doch zumindest mal etwas auf das man sich freuen kann.

Wie sehen deine Erfahrungen bezüglich des Studiumsverlaufs aus? Einfach einen kurzen Kommentar hinterlassen, am besten mit Angabe des Studiengangs und der Uni, vielleicht bekommen wir dann hier eine kleine Übersicht zusammen 😉

2 thoughts on “Wird das Studium am Ende leichter?

  • Dieses ganze Gerede von wegen „Aussieben“ ist doch nur Unsinn von Leuten bei denen es intellektuell einfach nicht für ein Studium reicht. Ich meine wer Maschinenbau/E-Technik/Informatik usw. studiert und im ersten Semester noch keine Ableitung bilden kann, der wird nicht vom bösen Prof rausgeprüft, dem wird ganz einfach klar gemacht das er nicht die geistigen Fähigkeiten für ein Studium an einer deutschen Universität mitbringt…

    Just my 2 cents

  • lieber Tu_Student: wenn man sich schon über die geistigen Fähigkeiten anderer lustig macht (was nebenbei bemerkt eher für persönliche Probleme spricht…) dann sollte man doch zumindest das/dass korrekt verwenden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

sechzehn − zehn =